Tagung Bielefeld
„Ist die Frauenfrage uncool?“ - Gleichstellung zwischen Anerkennung und Marginalisierung
Die Globalisierung von Bildung und Wirtschaft ist mit neuen Herausforderungen an die Gleichstellungspolitik verbunden: „Einerseits ist Gleichstellung als Ziel und Gender als Thema allmählich in der öffentlichen Diskussion angekommen, andererseits stößt die Umsetzung auf vielfältige Schwierigkeiten und Hemmnisse.“ Das war Thema der Tagung des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung in Bielefeld am 25. und 26.4.2008 als Fortführung der Tagung "Konstruktives Spannungsverhältnis: Frauen- und Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik?". Es diskutierten etwa 100 Expertinnen und Experten aus Hochschulen, öffentlichen Verwaltungen von Bund, Land, Kommunen, aus der Politik und der Wirtschaft über Umsetzungserfahrungen und aktuelle bildungspolitische Entwicklungen.
Eröffnet wurde die Tagung von der Geschäftsführenden Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- Geschlechterforschung (IFF) Prof. Dr. Ursula Müller und vom Kanzler der Universität Bielefeld, Hans-Jürgen Simm, der den Zusammenhang von Exzellenz und Gleichstellung an Hochschulen kritisch untersuchte und in seinem engagierten Vortrag sehr glaubhaft für eine offensivere Gleichstellungspolitik an Hochschulen eintrat. Er endete mit einem Zitat von Susanne Baer, Direktorin des GenderKompetenzZentrums: „Wer Gender nicht versteht, versteht die Welt nicht“ (Baer 2008).
Auch die weiteren Vorträge und Diskussionsbeiträge waren informiert, anspruchsvoll und zeigten facettenreich auf, wie Organisationsveränderungsprozesse und Gleichstellungspolitiken ineinander greifen können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien drei Schlaglichter auf die Debatten herausgegriffen – eine ausführliche Dokumentation wird beim IFF erscheinen.
Viel zitiert waren auf dieser Tagung die vom Wissenschaftsrat (WR) herausgegebenen „Empfehlungen zur Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerin“ vom 13. Juli 2007, die, anknüpfend an die „Empfehlungen zur Chancengleichheit von Frauen in Wissenschaft und Forschung“ von 1998, eine Steigerung des Frauenanteils an Spitzenpositionen der Wissenschaft innerhalb der nächsten 5 Jahre zu erreichen. Edit Kirsch-Auwärter, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Georg-August Universität Göttingen, als auch Ursula Müller, Professorin für Soziologin an der Universität Bielefeld, unterstrichen in ihren Beiträgen, die Reichweite der „Offensive für Chancengleichheit“ und der Ergebnisse der Tagung des Wissenschaftsrates im Herbst 2006: Insbesondere eine „funktionale Systemperspektive“ sei im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit von Organisationen einer „individualistischen Emanzipationsperspektive“ vorzuziehen, wie der Vorsitzende des WR, Peter Strohschneider, zitiert wurde.
Siehe auch den Vortrag von Susanne Baer am 18./19. April 2007 „Chancengleichheit und Gender-Forschung: Die deutsche Wissenschaft braucht eine Qualitätsoffensive. Sie muss den Haken lösen, an dem die Sache hängt".
Dies betonte bereits Susanne Baer im Februar 2008 bei der Anhörung im Bundestag zu „Frauen in der Wissenschaft, Gender in die Forschung“: „Genderkompetenz in der Wissenschaftsforschung oder die Gender-Studies im Feld Wissenschaft. Ich glaube, dass es sinnvoll wäre, Forschungsmittel dafür bereit zu stellen. Die Lateraleffekte von Gleichstellungspolitik oder auch die Positivwirkung von Gleichstellungspolitik gerade im Feld Wissenschaft zu eruieren und dies auf dem Standard unseres heutigen Wissens, das heißt im Hinblick auf Frauen, im Hinblick auf Männer und im Hinblick auf die weiteren Integrationseffekte, die zum Beispiel im Bereich der Naturwissenschaften zu erzielen sind“ (Baer 2008).
Weitere Themen, die behandelt wurden waren, kritische Perspektiven auf das Gleichstellungsrecht und dessen Phasen der Revision (Regina Harzer, Professorin für Strafrecht an der Universität Bielefeld) und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (Matthias Malmann, Professor für Rechtstheorie der Universität Zürich). Auch gleichstellungspolitischen Perspektiven aus der Praxis der Verwaltungen wurden sehr anschaulich und mit langjähriger Kompetenz z.B. von Kristin Rose-Möhring, Gleichstellungsbeauftragte des BMFSFJ, für die Bundesebene und von Friedel Schreyögg, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München, für die kommunale Ebene aufgezeigt.
Eröffnet wurde die Tagung von der Geschäftsführenden Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- Geschlechterforschung (IFF) Prof. Dr. Ursula Müller und vom Kanzler der Universität Bielefeld, Hans-Jürgen Simm, der den Zusammenhang von Exzellenz und Gleichstellung an Hochschulen kritisch untersuchte und in seinem engagierten Vortrag sehr glaubhaft für eine offensivere Gleichstellungspolitik an Hochschulen eintrat. Er endete mit einem Zitat von Susanne Baer, Direktorin des GenderKompetenzZentrums: „Wer Gender nicht versteht, versteht die Welt nicht“ (Baer 2008).
Auch die weiteren Vorträge und Diskussionsbeiträge waren informiert, anspruchsvoll und zeigten facettenreich auf, wie Organisationsveränderungsprozesse und Gleichstellungspolitiken ineinander greifen können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien drei Schlaglichter auf die Debatten herausgegriffen – eine ausführliche Dokumentation wird beim IFF erscheinen.
- Das Gewicht der Empfehlungen der großen Wissenschaftsorganisationen für die Gleichstellung an Hochschulen
Viel zitiert waren auf dieser Tagung die vom Wissenschaftsrat (WR) herausgegebenen „Empfehlungen zur Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerin“ vom 13. Juli 2007, die, anknüpfend an die „Empfehlungen zur Chancengleichheit von Frauen in Wissenschaft und Forschung“ von 1998, eine Steigerung des Frauenanteils an Spitzenpositionen der Wissenschaft innerhalb der nächsten 5 Jahre zu erreichen. Edit Kirsch-Auwärter, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Georg-August Universität Göttingen, als auch Ursula Müller, Professorin für Soziologin an der Universität Bielefeld, unterstrichen in ihren Beiträgen, die Reichweite der „Offensive für Chancengleichheit“ und der Ergebnisse der Tagung des Wissenschaftsrates im Herbst 2006: Insbesondere eine „funktionale Systemperspektive“ sei im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit von Organisationen einer „individualistischen Emanzipationsperspektive“ vorzuziehen, wie der Vorsitzende des WR, Peter Strohschneider, zitiert wurde.
- Gleichstellungspolitische Argumentationsstrategien zwischen Effizienz und Gerechtigkeit
Siehe auch den Vortrag von Susanne Baer am 18./19. April 2007 „Chancengleichheit und Gender-Forschung: Die deutsche Wissenschaft braucht eine Qualitätsoffensive. Sie muss den Haken lösen, an dem die Sache hängt".
- Forderung nach einer „angewandten Geschlechterforschung“
Dies betonte bereits Susanne Baer im Februar 2008 bei der Anhörung im Bundestag zu „Frauen in der Wissenschaft, Gender in die Forschung“: „Genderkompetenz in der Wissenschaftsforschung oder die Gender-Studies im Feld Wissenschaft. Ich glaube, dass es sinnvoll wäre, Forschungsmittel dafür bereit zu stellen. Die Lateraleffekte von Gleichstellungspolitik oder auch die Positivwirkung von Gleichstellungspolitik gerade im Feld Wissenschaft zu eruieren und dies auf dem Standard unseres heutigen Wissens, das heißt im Hinblick auf Frauen, im Hinblick auf Männer und im Hinblick auf die weiteren Integrationseffekte, die zum Beispiel im Bereich der Naturwissenschaften zu erzielen sind“ (Baer 2008).
Weitere Themen, die behandelt wurden waren, kritische Perspektiven auf das Gleichstellungsrecht und dessen Phasen der Revision (Regina Harzer, Professorin für Strafrecht an der Universität Bielefeld) und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (Matthias Malmann, Professor für Rechtstheorie der Universität Zürich). Auch gleichstellungspolitischen Perspektiven aus der Praxis der Verwaltungen wurden sehr anschaulich und mit langjähriger Kompetenz z.B. von Kristin Rose-Möhring, Gleichstellungsbeauftragte des BMFSFJ, für die Bundesebene und von Friedel Schreyögg, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München, für die kommunale Ebene aufgezeigt.
Smy
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2010-01-02 20:06


