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„GenderChange in academia“ - Mehr Gleichstellung in der Wissenschaft!

Die internationale Tagung „GenderChange in academia – Re-mapping the fields of work, knowledge and politics from a gender perspective“ fand am 13.-15. Februar 2009 an der Georg-August-Universität in Göttingen statt und verfolgte das Ziel, Gender Studies und Gleichstellungspolitik in das Qualitätsmanagement von Hochschulen zu integrieren.

Die Tagung war die erste öffentliche Veranstaltung des im April 2008 gegründeten neuen Forschungsverbundes, International Research Group „Entrepreneurial universities in gender change“, in dem Umstrukturierungsprozesse sowie die Institutionalisierung von Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitiken an Hochschulen erforscht werden. Finanziert wird der Forschungsverbund im Rahmen des Maria-Goeppert-Mayer-Programms durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Georg-August-Universität Göttingen (Initiatorinnen sind: AOR’in Dr. Ilse Costas, Institut für Soziologie, in der Antragsstellung und Dr. Edit Kirsch-Auwärter, Gleichstellungsbüro, Prof. Dr. Brigitte Aulenbacher als Gastprofessorin 04-08/2008 und PD Dr. Birgit Riegraf als Gastprofessorin 09/2008-09/2009). Mitglieder sind des weiteren: Dr. Eva Flicker (Wien), Prof. Dr. Sabine Hark (Köln), Prof. Dr. Johanna Hofbauer (Wien), Dr. Ulle Jäger (Basel), Dr. Heike Kahlert (Hildesheim/Rostock), Prof. Dr. Ursula Müller (Bielefeld), Prof. Dr. Birgit Sauer (Wien), Prof. Dr. Angelika Wetterer (Graz) und Dr. Karin Zimmermann (Wittenberg).

Auf der Tagung in Göttingen diskutierten etwa 100 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Politik aus sieben Ländern Europas und den USA über Umsetzungserfahrungen von Gleichstellung, aktuelle bildungspolitische Entwicklungen und zukünftige Forschungsinhalte. Dabei wurden neue Perspektiven auf Wissensproduktionen und Gleichstellungspolitiken und die Verknüpfung von Forschung und Politik erörtert. Ausgangspunkte waren die aktuellen Reformulierungen des Bologna-Prozesses, politische Initiativen zur Homogenisierung europäischer Wissenschaft und die verschiedenen hochschulinternen Reformbestrebungen in den jeweiligen Staaten.

Eröffnet wurde die Tagung durch mehrere Ansprachen und Grußworte. In seinem Eingangsstatement hob der Präsident der Universität Göttingen, Prof. Dr. Kurt von Figura, die Erfolge aber auch die noch anstehenden Maßnahmen für Gleichstellung im Rahmen der Exzellenzinitiative der Universität Göttingen hervor, wie z.B. die Systematisierung der aktiven Rekrutierung von Wissenschaftlerinnen, die Förderung von Work-Life-Balance und die Einrichtung von Mentoring- und Coaching-Programmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (insbesondere der Postdoktorandinnen). In seinem Grußwort hob auch Dr. Wilhelm Krull, Stiftungsrat der Universität Göttingen, die Notwendigkeit von fairen und transparenten Verfahren der Rekrutierung sowie von Dual-Career-Maßnahmen hervor und benannte „Diversity“ als Schlüssel für Kreativität.

Die Eröffnungsreden hielten Dr. Edit Kirsch-Auwärter, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Göttingen, und Prof. Dr. Mary Osborn, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie Göttingen. Kirsch-Auwärter ging in ihrer Rede auf drei zentrale Anreize für Gleichstellungsinitiativen ein: die Exzellenzinitiative, das Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und die forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Als Zukunftsfelder, die noch anzugehen sind, stellte sie insbesondere die Fakultätsentwicklung, die Rechenschaftspflicht und die Notwendigkeit eines hochrangigen „Commitments“ für Gleichstellung in der Universität sowie die Professionalisierung der Berufungs- und Rekrutierungsverfahren heraus (Einrichtung von Berufungsbeauftragten und Kompetenzentwicklung). Offene Fragen und Probleme der Exzellenzinitiative aus gleichstellungspolitischer Sicht sah Kirsch-Auwärter u.a. in den disziplinären Grenzen und den Intersektionalitätseffekten (Diversity). Es bestehe ein großer Bedarf an Forschung über die Funktionsweise der Exzellenz ("Wie viel „bias“ steckt im Exzellenzdiskurs?“)

Osborn präsentierte in ihrem Vortrag eine Vielzahl von Ergebnissen und Statistiken aus der internationalen Forschung zu Gleichstellung in der Wissenschaft. Sie ging beispielsweise auf den ETAN-Report 2000 und die aktuellen Zahlen über Frauen in der Wissenschaft der Helsinki Group zu den Professorinnenanteilen im EU-Vergleich ein (Women and Science. Statistics and Indicators: She figures 2003 und She Figures 2006): Deutschland liegt hier bei 9%, während der EU-Durchschnitt 15% beträgt. Aus der naturwissenschaftlichen Forschung wurde der „Gender gap“ in der Patentierung besonders moniert. Mit Bezug auf den US-National Report „Beyond bias and barries. fulfilling the potential of women in academic science and engineering“ (2007) des Committee on Maximizing the Potential of Women in Academic Science and Engineering, National Academy of Sciences und der National Academy of Engineering, and Institute of Medicine wurde darauf verwiesen, dass Frauen wesentlich seltener auf Tagungen als Sprecherinnen und Expertinnen eingeladen werden und Osborn schloss daraus, dass Frauen gezielt gefunden, angesprochen und motiviert werden müssten. Osborn forderte außerdem mit Blick auf den ETAN Report 2000, dass denjenigen Organisationen, die keine Gleichstellung befördern Geld zu entziehen sei und das Geld an jene Organisationen gegeben werden sollte, die Gleichstellung tatsächlich umsetzen. Statt der Förderung „exzellenter“ Forschung schlug sie abschließend vor, „kreative und originelle“ Forschung zu fördern.

Drei Dimensionen wurden im Laufe der Tagung in zahlreichen Diskussion Groups intensiv diskutiert:

Arbeit und Karrieren
Hier standen neue unternehmerische Elemente („entrepreneurial elements“) der Veränderung von Hochschulen im Mittelpunkt, wie z.B. Steuerungungsprozesse, Wettbewerbsorientierung, Hochschulmanagement , Arbeitsbedingungen von wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Personal und neue Wissens- und Anreizsysteme. Keynote-Speakerinnen waren Prof. Dr. Dana Britton (Kansas University) und Prof. Dr. Louise Morley (University of Sussex). Weitere Referentinnen waren u.a.: Dr. Liisa Husu (Helsinki), Dipl. Soz. Stephanie Zuber (Universität Hamburg), PD. Dr. Ilse Cosats (Universität Göttingen) und Prof. Dr. Brigitte Liebig (Fachhochschule Nordwestschweiz).

Wissensproduktionen von Gender
Hier sind die Zukunft von Gender-Wissen und die Wissensproduktion über Gender und Gender Studies Curricula im Rahmen von Hochschulveränderungsprozesse zur Diskussion gestellt worden – so z.B. Kriterien zur Evaluation, die Professionalisierung von Gender-Kompetenz, das Verhältnis von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung, die wachsende Herausforderung von inter- und transdisziplinärer Forschung und die Schwierigkeiten, Gender-Aspekte in die neuen BA- und MA-Curricula zu integrieren. Referent_innen waren u.a.: Prof. Dr. Elisabeth Berg (Lulea tekniska universitet), Prof. Dr. Sylvia Wilz (FernUniversität Hagen), Prof. Brigitte Aulenbacher (Universität Linz), Prof. Dr. Jim Barry (University of East London), Dr. Ilse Lenz (Universität Bochum), Dr. Jutta Weber (Braunschweig/Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gabriele Griffin (University of York)

Gleichstellungspolitiken und Diversity Management
Hier bildeten Herausforderungen der Hochschulreformen für Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitiken den Fokus. Themen war u.a. die Verbindung von universitären Selbststeuerungsprozessen und gleichstellungs-und Antidiskriminierungspolitiken; Instrumente der Gleichstellungspolitik, die neu angepasst, gestaltet oder neu entwickelt werden müssen; die Erfordernis eines komplexes Gender-Verständnisses für komplexe Umstrukturierungsprozesse sowie die Bedeutung des „Shift“ vom Gender Mainstreaming zum Diversity Management. Referent_innen waren u.a.: Prof. Dr. Sue Rosser (Atlanta), Prof. Dr. Virginia Valian /New York/London), Prof. Dr. Mary Ann Danowitz (University of Denver), Dr. des Tove Soiland (Universität Zürich) und Prof. Dr. Michael Meuser (Universität Dortmund).

Weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier.

Informationen zu Gender-Aspekten in der Wissenschaft finden Sie auf den Seiten des GenderKompetenzZentrums.

smy
by Administrator last modified 2010-01-02 21:06