You are here: Home Aktivitäten News Archiv ursachen_lohnunterschiede
Navigation
 

ursachen_lohnunterschiede

„Ursachen für Lohnunterschiede angehen“ – Konferenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Der Durchschnittslohn von Frauen in Deutschland liegt rund 24% unter dem Durchschnittslohn von Männern – damit nimmt Deutschland in der Liste der EU-Mitgliedsstaaten, was Lohngleichheit anbetrifft, den drittletzten Platz ein. Die Gesamtsituation mit aktuellen Daten umfassend darzulegen, Ursachen für die vorliegende Lohnungleichheit zu identifizieren und mögliche Strategien zur Verbesserung der Situation zu diskutieren, waren die drei inhaltlichen Zielsetzungen der Konferenz “Ursachen für Lohnunterschiede angehen“, zu der am 30. September 2008 in Berlin das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) geladen hatten.
Teilnehmende waren neben Vertretern und Vertreterinnen der BDA und des BMFSFJ Angehörige des Bundestages und der öffentlichen Verwaltungen sowie von Gewerkschaften und Wissenschaft.

Eva Maria Welskop-Deffaa
, Abteilungsleiterin Gleichstellung im BMFSFJ, wies in ihrem Eröffnungsstatement auf die ihrer Meinung nach drei wichtigsten Ursachen der Lohnungleichheit hin, die sich wechselseitig bedingen: die vertikale und horizontale Arbeitsmarktsegregation, die unterschiedlichen familienbedingten Erwerbsunterbrechungen von Frauen und Männern und die unterschiedliche Entlohnung „typischer“ Frauen- und Männerberufe. Sie betonte die Anstrengungen der Bundesregierung zur Verbesserung der Situation von Frauen am Arbeitsmarkt, vornehmlich den Ausbau der Kinderbetreuung, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Einführung des Elterngelds und der Partnermonate zur Angleichung der Erwerbsbiographien von Frauen und Männern, sowie die neue Strategie 'Perspektive Wiedereinstieg' für Frauen über 40. Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA, bekräftigte in seiner Begrüßung seinerseits, dass sich die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber der Diskussion stellen wollten, „da sie nur gewinnen könnten“, wenn sie qualifizierte Arbeitnehmerinnen langfristig an die Unternehmen binden.

Im Einführungsvortrag erläuterte Hans-Peter Klös vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln die aktuelle Situation zum „Gender Wage Gap und Familienpolitik“ und zeigte Ursachen und familienpolitische Ansatzpunkte auf:
Fakt ist, dass die als „prozentualer Unterschied des durchschnittlichen Bruttoverdienstes von Frauen und Männern“ definierte Lohnlücke in Deutschland 24% beträgt, wie das Statistische Bundesamt in einer aktuellen Berechnung vom August 2008 berichtete. Während Frauen und Männer mit eher geringfügiger Lohndifferenz ins Berufsleben starten, steigt die Differenz zwischen 24 und 39 Jahren rapide von 4% auf 22% an. Weiterhin relevant ist, dass die Lohnlücke in ländlichen Regionen wesentlich größer ist als in der Stadt (siehe Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft).

Insgesamt identifizierte Klös die Arbeitsform der Teilzeitarbeit bei vielen Frauen und die kindbedingte Erwerbsunterbrechung als Hauptursachen für die Lohnlücke. Insbesondere Unterbrechungen von über drei Jahren zeigen negative Effekte, wohingegen sich Unterbrechungen von bis zu einem Jahr kaum negativ auswirken. Diese beiden Faktoren könnten allerdings lediglich etwa die Hälfte der Lohndifferenz erklären, ein restlicher Teil – ca. 10% - kann nicht durch quantifizierbare Faktoren erklärt werden, und könnte Folge von geschlechtsspezifischer Diskriminierung sein. Allerdings können auch die bisher identifizierten „objektiven“ Ursachen der Lohnungleichheit Diskriminierung enthalten – beispielsweise wenn eine Arbeitnehmerin gezwungen ist, in Teilzeit zu gehen, weil keine ausreichende Kinderbetreuung zur Verfügung steht, oder wenn Teilzeitarbeitenden Aufstiegschancen verwehrt werden. Auf der anderen Seite muss der unerklärte Teil nicht zwangsläufig von Diskriminierung herrühren, so zum Beispiel wenn Frauen von vornherein weniger Gehalt einfordern als ihre männlichen Kollegen. Insgesamt reichen die bisher untersuchten Faktoren nicht aus, um die Lohnlücke in den Statistiken zu erklären – diese Wissenslücken gilt es also mit weiterer Forschung zu füllen.

In vier Workshops und einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden die folgenden Themen weiter vertieft: die Überwindung klassischer Rollenbilder, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Entgeltgleichheit in der Personalpolitik und tarifpolitische Überlegungen zu gleicher und gleichwertiger Arbeit .
Im Workshop „Entgeltgleichheit in der personalpolitischen Diskussion“ wurde ein statistisches Messinstrument für Lohnungleichheit in Unternehmen vorgestellt, das von einem Schweizer Forschungsinstitut entwickelt wurde. Genauere Angaben zum Instrument und seiner Anwendung finden Sie hier unter dem Stichwort „Logib“.

Weiterführende Literatur und Links

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern - Einstellungen, Erfahrungen und Forderungen der Bevölkerung zum "gender pay gap".

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Fair P(l)ay - Entgeltgleichheit für Frauen und Männer.

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände: Familie schafft Zukunft – familienpolitische Vorschläge der BDA.

Pressemitteilung anlässlich der Tagung am 30.09.2008 : Bundesfamilienministerin von der Leyen und Arbeitgeberpräsident Dr. Hundt: "Gemeinsam Ursachen für Lohnunterschiede angehen."

Interner Link zur Fachtagung „Equal Pay als mehrdimensionale Gleichstellungsfrage – Daten und Faktoren“.


Daten:


Elke Holst (2005): Frauen in Führungspositionen – Massiver Nachholbedarf bei großen Unternehmen und Arbeitgeberverbänden. In: Wochenbericht des DIW Berlin, 3/2005.

DESTATIS: Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern, Studie vom August 2008.


by Administrator last modified 2010-01-02 20:06