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EOI 2009

Gleichstellung und Diversity in Zeiten der Globalen Krise – Bericht einer Internationalen Konferenz in Istanbul

An der Bosporus Universität in Istanbul hat am 15.-17. Juli 2009 die Internationale Konferenz „Equal Opportunities International (EOI) 2009“ zum Thema „Equality, Diversity and Inclusion in Times of Global Crisis“ stattgefunden. 120 Teilnehmende aus 30 Nationen stellten in 92 Präsentationen empirische Studien, Projekte und Erfahrungsberichte aus dem Bereich der Internationalen Organisationsforschung, der Personalentwicklung, insbesondere dem Human Ressource Management und des Diversity Managements vor. Koordiniert und unterstützt wurde die Konferenz bereits zum 2. Mal von dem Forschungsnetzwerk DECERe (Diversity and Equality in Careers and Employment Research) der University of East Anglia in Norwich, Großbritannien.

In 14 Streams, die jeweils von einer oder mehreren Wissenschaftler_innen geleitet wurden, standen vielfältige thematische Schwerpunkte auf dem Programm, wie z.B.
  • übergreifende Aspekte aus der Forschung (Theorien zu Gleichstellung und Diversity in der Krise, Emotionsforschung in Organisationen, Kritische Pädagogik),
  • spezielle Arbeits- und Berufszweige (Gesundheit/Pflege, Wissenschaft, Technik und Ingenieurswissenschaft),
  • geographische Regionen (Diversity Management in Asien und Nahost) und
  • verschiedene Akteurskonstellationen (Management/Führungshandeln, Change Agents in Organisationen).
Thematisiert wurden des weiteren Fragen der (Un)Sichtbarkeit der sexueller Orientierung in Forschung und in Organisationen, intergenerationales Lernen, Ethnizität in Organisationen und Fragen der Intersektionalität.

Keynote Speaker waren u.a. Professor Quinetta M. Roberson, Professorin an der Villanova University in den USA, Judith K. Pringle, Professorin für Organisationsforschung an der Auckland University of Technoloy in Neuseeland und David Ruebain, Direktor der Rechtspolitik an der „Equality and Human Rights Commission“ in Großbritannien.

Die Tagung war im Stil einer wissenschaftlichen Großtagung angelegt und präsentierte eine Fülle von Ergebnissen aus der anwendungsorientierten Forschung. Entsprechend der Ausrichtung der Organisator_innen lag der Forschungsfokus weniger auf politischen Strategien, sondern auf Fragen der Organisationsveränderung – insbesondere durch Diversity Management. Dr. des. Sandra Smykalla (GenderKompetenzZentrum) und Lucy Nowottnick (QUING, Lehrstuhl Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M.) hielten einen Vortrag zur Bedeutung von Gender-Trainer_innen als Change Agents in Organisationen im Kontext aktueller Gleichstellungspolitik/Gender Mainstreaming („Promoting Equality Policies – Key aspects for organisational change using the example of public administrations“). In Ihrem Beitrag gingen sie nach einer Systematisierung von professionellen Interventionsstrategien in Gender-Trainings der These nach, dass Widerstände nicht nur, wie vielfach angenommen bei Teilnehmenden, sondern auch bei Trainer_innen das professionelle Handeln beeinflussen.

Zentrale Ergebnisse der Tagungsdiskussionen - hier nur schlaglichtartig genannt - waren:

Diversity Management als „business case“
Es wurde mehrfach deutlich, dass in Unternehmen und Einrichtungen, Diversity Management zumeist als ein “business case” verhandelt, d.h. mit Fragen der Kosten-Nutzen-Analyse und der Wirtschaftlichkeitsrechnung verbunden wird . Das bestimmende Motto der Diskussion um Diversity ist dabei das der “Inklusion”. Damit fokussiert der Diversity-Diskurs vor allem Potentiale statt Probleme und setzt auf einen „Positiv-Kurs“ statt auf Diskriminierungen. Die Akzeptanz von “Vielfalt” ist dabei ein wichtiges Leitbild. Fragen der Teilhabe oder der Antidiskriminierung – also einer umfassenden Gleichstellung – wurden kaum bearbeitet.

Gender-Debatten
Hauptthemen der Tagung in Bezug auf Gleichstellungsfragen waren die Flexibilsierung der Arbeitszeit (Teilzeit) und die Unterrepräsentatnz von Frauen in Führungspositionen bzw. die Dominanz von männlichen Führungskräften. Angesichts des vorrangigen Schwerpunktes auf Diversity Mangement wurde die Angst geäußert, die auch in Deutschland und in europäischen Kontexten unter Geschlechterforscherinnen nicht unbekannt ist, dass mit den Begriffen “Gender” und “Diversity” “Frauen” als Zielgruppe verloren gingen.

Perspektiven für zukünftige Forschung
Wie das Abschlusspodium der Tagung deutlich machte, wurde auf sehr unterschiedliche Weise und mit sehr heterogenen Wissensständen in den Streams gearbeitet. Einhellig konzeptioneller und inhaltlicher Klärungsbedarf bestand in Themen der Intersektionalität. Die Reflexion des eigenen Standpunktes oder von Diskriminierung auch unter Forschenden (wie Rassismus, Privilegien, Ungleichheiten, Machtverhältnissen) blieb auf der Tagung eine Leerstelle.

Die nächste Tagung ist für 2010 in Wien an der Wirtschaftsuniversität, Lehrstuhl Prof. Dr. Regine Bendl, geplant.


Weitere Informationen

Das komplette Tagungsprogramm mit allen Abstracts der Präsentationen finden Sie hier.

Text zu Diversity Management und Gender Mainstreaming auf den Seiten des GenderKompetenzZentrums

Text zu Gender-Trainings und gleichstellungsorientierter Fortbildung auf den Seiten des GenderKompetenzZentrums

EU-Forschungsprojekt QUING

smy
by Administrator last modified 2010-01-02 20:06