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Kommunale Gleichstellungsbeauftragte ziehen Bilanz

„Gleichstellungspolitik Soll & Haben“ - Kommunale Gleichstellungsbeauftragte ziehen Bilanz

40 Jahre nach dem legendären Tomatenwurf auf einer Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt/Main, der in Westdeutschland die neue Frauenbewegung auslöste, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen in Frankfurt/Main ihre 19. Bundeskonferenz abgehalten. Über 450 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Kommunen aus ganz Deutschland diskutierten mit Expertinnen aus Politik und Wissenschaft am 18. und 19. August 2008. Unter dem Motto „Finanzen - Fakten – Feminismus“ stand das Thema „Geld“ und die Bilanz von Frauen- und Gleichstellungspolitik im Mittelpunkt.

In parallelen Foren wurden Themen wie Equal Pay, Grundeinkommen, Familienpolitik, Gesundheit & die Charta der Vielfalt auf lokaler Ebene diskutiert. Sandra Smykalla, Mitarbeiterin des GenderKompetenzZentrums, hielt einen Vortrag zur Gender Mainstreaming und Gender Budgeting, in dem sie die Geschichte(n) und Stand der Implementierung auf Bundesebene sowie Perspektiven und Herausforderungen für Gleichstellungspolitik heute erläuterte.

„Eine moderne Familienpolitik funktioniert nur mit einer modernen Gleichstellungspolitik“

Dafür plädierte die Bundesfrauenministerin Dr. Ursula von der Leyen in ihrer Rede, am 1. Konferenztag. Von der Leyen zog - 50 Jahre nach dem Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes von 1958 - Bilanz über das bisher Erreichte und betonte drei Kernanliegen moderner Gleichstellungspolitik: die „gleiche Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben“, die „Erweiterung der stereotypen Rollen von Frauen und Männern“ und den „Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Kinder“. Die Ministerin ging davon aus, dass in den letzten 50 Jahren „unglaublich viel erreicht“ worden sei und inzwischen „tolle Ausgangsbedingungen“ für Frauen gelten würden. Allerdings, so ihr Gesamtcredo, die alten Themen seien weiterhin aktuell, nur „mit anderen Qualitäten“– so hätten z.B. Frauen die Bildung „grandios erobert“ - die Bildungsbenachteiligung träfe inzwischen nicht mehr vorrangig „das katholische Mädchen vom Lande“, sondern den „Jungen mit Migrationshintergrund in der Stadt“. Die Bildungsvorteile von Mädchen erweisen sich im Erwerbsleben jedoch nicht als Garant für Karrierechancen. So sei Deutschland im europäischen Vergleich z.B. Schlusslicht bei dem Anteil von Frauen mit Kindern in Führungspositionen. Es sei deshalb wichtig, die „gläserne Decke“ für Frauen in Führungspositionen zu durchbrechen. Die Ermöglichung von „Führung in Teilzeit“ für Frauen und für Männer ist nach von der Leyen ein erklärtes gleichstellungspolitisches Ziel. Bezug nehmend auf eine jüngste Studie von Jutta Allmendinger, in der 17-27 jährige Männer danach befragt wurden, wer in Zukunft in Deutschland eine tragende Rolle haben sollte, zog die Mehrheit den „aktiven Vater“ dem „Karriere-Mann“ vor. Dies wertet von der Leyen als eine „vorhandene Möglichkeit in den Köpfen“ - die es politisch zu realisieren gelte.

Weitere Berichte über die Beiträge und Beschlüsse auf der Bundeskonferenz:
Smy

Mehr zum Thema Gender Budgeting auf den Seiten des GenderKompetenzZentrums

Hinweise zur Implementierung von Gender Mainstreaming auf den Seiten des GenderKompetenzZentrums

by Administrator last modified 2010-01-02 20:06