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Geschlecht als „Strukturkategorie“

Geschlechterverhältnisse sind heute ein wesentlich prägender Bestandteil von gesellschaftlicher Ordnung. Daher wird Geschlecht auch als Strukturkategorie beschrieben: Es prägt Strukturen. Betont wird damit, dass Geschlecht kein individuelles Merkmal ist, das einzelne Personen beschreibt, sondern Vorstellungen über Geschlecht in Organisationen und gesellschaftliche Verhältnisse und Regelsysteme eingeschrieben sind. Daher ist auch vielfach von „Geschlechterordnungen“ oder von Lebenslagen von Frauen und Männern die Rede.

Traditionell wird das Geschlechterverhältnis mit einer hierarchischen Vorstellung von der Überlegenheit des Mannes (Patriarchat) und einer männlichen Norm (Androzentrismus) verknüpft. Das Patriarchat bezeichnet eine soziale Ordnung, in der ein Patriarch entscheidungsbefugt ist; in engem Zusammenhang damit steht der Begriff des „Paternalismus“, in dem ein Vater (pater familias) zwar fürsorglich, aber doch allein für die Familie entscheidet.

Mit Androzentrismus wird begrifflich gefasst, dass Denken, Fühlen und Handeln nicht geschlechtsneutral sind, sondern sich in unserer Kultur in erster Linie auf Männer beziehen und Lebenslagen und Erfahrungen von Frauen unberücksichtigt lassen. Anders gesagt: Das männliche Subjekt gilt paradigmatisch als der Mensch, was die englische Sprache mit dem Begriff „mankind“ für Menschheit und das deutsche „man“ verdeutlichen. Damit geht einher, dass Werte und Normen des Denkens und Handelns in Gesellschaft, Politik und Kultur implizit mit geschlechtsspezifischen Werten behaftet sind: Familie gilt als Ort des Weiblichen, Politik als Ort des Männlichen, fühlen gilt als weiblich und denken als männlich, Fürsorge als weiblich und Aggression als männlich usw. Dies sind nicht nur persönliche Meinungen, die Einzelnen meist unrecht tun, sondern diese Stereotype sind handlungsleitende Vorstellungen, die tief in unseren Kulturen verwurzelt sind.

Weiterführende Literatur

Wetterer, Angelika: Das Verschwinden der Ungleichheit aus dem zeitgenössischen Differenzwissen, in: Knapp, Gudrun-Axeli/ Wetterer, Angelika (Hrsg.): Achsen der Differenz. Gesellschaftstheorie und feministische Kritik II. Münster 2003, S. 286-319.

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Letzte Aktualisierung 30.06.2008
 
 
Lehrstuhl Prof. Dr. S. Baer LL.M.
 
 

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