Geschlecht als "sozial konstruierte Kategorie"
Unsere Vorstellung davon, was Frauen und Männer sind und wie sie sein sollen, wird gesellschaftlich hergestellt. Daher sprechen viele davon, Geschlecht werde „sozial konstruiert“. Die alltägliche, kontinuierliche Herstellung von Geschlecht ist als „doing gender“ (West / Zimmermann 1987) eingängig beschrieben worden: Geschlecht wird von uns in der Interaktion mit Anderen alltäglich „hergestellt“. Doing-Gender-Prozesse vollziehen sich in unserer Gesellschaft nicht nur durch Individuen, sondern auch durch gesellschaftlich normierende Praktiken und Kategorisierungen, z.B. durch Rechtsetzung oder durch die Institutionen Familie oder Ehe. „Doing gender“ lebt davon, immer wieder ein duales Ordnungsschema der Zweigeschlechtlichkeit zu etablieren. Spätestens nach, oft auch vor der Geburt werden Menschen in zwei Geschlechterkategorien eingeteilt: entweder Mädchen oder Junge. Daraus werden Geschlechtereigenschaften abgeleitet: hellblau und rosa …. Im Laufe des Lebens wird der Mensch dann in einem komplexen Prozess von Erziehung, gesellschaftlichen Normen und Werten, Stereotypen, Identifikationen, Bildern, Traditionen zum Mädchen bzw. zur Frau oder zum Jungen bzw. zum Mann „gemacht“.
Auffällig ist, dass Vorstellungen über Frauen und Männer einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen: was als weiblich oder männlich gilt, ist jeweils historisch beeinflusst. Wichtiger ist jedoch, dass damit immer wieder der eine Unterschied behauptet wird, der erst dadurch wichtig wird. Die Unterscheidung in zwei Geschlechter ist politisch relevant, weil damit Wertungen verbunden sind, die den Geschlechtern unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zuweisen.
Demgegenüber zeigt sich oft, dass nicht die eine Geschlechterdifferenz, sondern andere soziale Unterschiede weit entscheidender sind. Es kann heute davon ausgegangen werden, dass Frauen und Männer keine homogenen Gruppen sind, sondern, dass oft Unterscheidungen innerhalb der Gruppe der Frauen und der Männer relevant werden. So kann z.B. der soziale Status oder die ethnische Zugehörigkeit oder die Hautfarbe für individuelle Lebenslagen von Menschen entscheidend sein, die sich dann zusätzlich auch noch aufgrund ihres Geschlechts unterscheiden. Ganz eindeutige Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern sind demgegenüber kaum mehr durchgehend wirksam. Anders gesagt: es geht nicht um zwei Farben, sondern um das gesamte Farbspektrum.
Auch neuere medizinische Definitionen von Geschlecht sind multidimensional. Geschlecht wird im medizinischen Standardwerk in fünf Dimensionen definiert: chromosomales, genitales, gonadales (Keimdrüsen), psychisches und soziales Geschlecht (Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2004 ). Es wird darauf verwiesen, dass es ein weites Überlappungsfeld gemeinsamer Verhaltenstendenzen zwischen den Geschlechtern gibt. Abweichungen von der zweigeschlechtlichen Norm, wie „Transsexualismus“ und „Intersexualität“ werden in der Medizin nach der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) allerdings als Störungen der Geschlechtsidentität klassifiziert. Betroffene Menschen erleben jedoch gerade die eindeutige Einteilung in Frau oder Mann als gesellschaftlichen Zwang und als Diskriminierung. Intersexuelle Menschen, früher als Hermaphroditen bezeichnet, besitzen sowohl männliche als auch weibliche körperliche Merkmale. Bei einer von 2000 Geburten lässt sich das Geschlecht des Neugeborenen nicht exakt bestimmen. Seit den 1950er Jahren werden im Säuglings- und Kindesalter geschlechtsherstellende Operationen durchgeführt, bei denen uneindeutige Genitalien chirurgisch so verändert werden, dass sie mit herkömmlichen Vorstellungen von weiblichen oder männlichen Genitalien übereinstimmen. Transsexuelle Menschen besitzen eindeutige physische Merkmale, fühlen sich jedoch nicht dem durch ihren Körper repräsentierten Geschlecht angehörig.
„Transidentitäten“ werden wissenschaftlich vor allem in den Queer Studies diskutiert und erforscht. Die „Queer Theory“ macht es sich zur Aufgabe, gesellschaftliche Normalitätsdiskurse um Geschlecht und Sexualität zu analysieren und infrage zu stellen. Die Anfänge der Queer Studies sind eng mit geschlechterpolitischen Bewegungen verbunden, die eine Entpathologisierung von Menschen mit einer Transgender-Identität zum Ziel haben und sich für vielfältige geschlechtliche Lebensweisen einsetzen.
Auffällig ist, dass Vorstellungen über Frauen und Männer einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen: was als weiblich oder männlich gilt, ist jeweils historisch beeinflusst. Wichtiger ist jedoch, dass damit immer wieder der eine Unterschied behauptet wird, der erst dadurch wichtig wird. Die Unterscheidung in zwei Geschlechter ist politisch relevant, weil damit Wertungen verbunden sind, die den Geschlechtern unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zuweisen.
Demgegenüber zeigt sich oft, dass nicht die eine Geschlechterdifferenz, sondern andere soziale Unterschiede weit entscheidender sind. Es kann heute davon ausgegangen werden, dass Frauen und Männer keine homogenen Gruppen sind, sondern, dass oft Unterscheidungen innerhalb der Gruppe der Frauen und der Männer relevant werden. So kann z.B. der soziale Status oder die ethnische Zugehörigkeit oder die Hautfarbe für individuelle Lebenslagen von Menschen entscheidend sein, die sich dann zusätzlich auch noch aufgrund ihres Geschlechts unterscheiden. Ganz eindeutige Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern sind demgegenüber kaum mehr durchgehend wirksam. Anders gesagt: es geht nicht um zwei Farben, sondern um das gesamte Farbspektrum.
Auch neuere medizinische Definitionen von Geschlecht sind multidimensional. Geschlecht wird im medizinischen Standardwerk in fünf Dimensionen definiert: chromosomales, genitales, gonadales (Keimdrüsen), psychisches und soziales Geschlecht (Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2004 ). Es wird darauf verwiesen, dass es ein weites Überlappungsfeld gemeinsamer Verhaltenstendenzen zwischen den Geschlechtern gibt. Abweichungen von der zweigeschlechtlichen Norm, wie „Transsexualismus“ und „Intersexualität“ werden in der Medizin nach der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) allerdings als Störungen der Geschlechtsidentität klassifiziert. Betroffene Menschen erleben jedoch gerade die eindeutige Einteilung in Frau oder Mann als gesellschaftlichen Zwang und als Diskriminierung. Intersexuelle Menschen, früher als Hermaphroditen bezeichnet, besitzen sowohl männliche als auch weibliche körperliche Merkmale. Bei einer von 2000 Geburten lässt sich das Geschlecht des Neugeborenen nicht exakt bestimmen. Seit den 1950er Jahren werden im Säuglings- und Kindesalter geschlechtsherstellende Operationen durchgeführt, bei denen uneindeutige Genitalien chirurgisch so verändert werden, dass sie mit herkömmlichen Vorstellungen von weiblichen oder männlichen Genitalien übereinstimmen. Transsexuelle Menschen besitzen eindeutige physische Merkmale, fühlen sich jedoch nicht dem durch ihren Körper repräsentierten Geschlecht angehörig.
„Transidentitäten“ werden wissenschaftlich vor allem in den Queer Studies diskutiert und erforscht. Die „Queer Theory“ macht es sich zur Aufgabe, gesellschaftliche Normalitätsdiskurse um Geschlecht und Sexualität zu analysieren und infrage zu stellen. Die Anfänge der Queer Studies sind eng mit geschlechterpolitischen Bewegungen verbunden, die eine Entpathologisierung von Menschen mit einer Transgender-Identität zum Ziel haben und sich für vielfältige geschlechtliche Lebensweisen einsetzen.
Weiterführende Literatur
Artikel „Intersexualität“, in: Kroll, Renate (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart 2002, S. 189-190.
Artikel „Androzentrik/Androzentrismus“, in: Kroll, Renate (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart 2002, S. 10-11.
Forschergruppe "Intersexualität - Vom Gen zur Geschlechtsidentität" an der Medizinischen Universität Lübeck
Gildemeister, Regine/ Wetterer, Angelika: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Knapp, Gudrun-Axeli/ Wetterer, Angelika (Hrsg.): Traditionen Brüche. Entwicklungen feministischer Theorie. Freiburg i. Br. 1992, S. 201-254.
West, Candance/ Zimmermann, Don H.: Doing Gender. In: Gender and Society 1 (2), 1987, S. 125-151.

