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Was ist „Gender“?

Gender hat sich als Fachbegriff für „Geschlecht“ auch im deutschsprachigen Raum etabliert. Für die Übernahme des englischen Wortes spricht, dass im Deutschen mit dem Begriff Geschlecht von den meisten Menschen vor allem das biologische Geschlecht assoziiert wird, also das, was im Englischen als „sex“ bezeichnet wird. Mit dem deutschen Wort „Geschlecht“ ist also bislang das Risiko verbunden, die Bedeutung von Geschlecht als ein historisch veränderbares, soziales und kulturelles Verhältnis aus dem Blick zu verlieren. Gegenwärtige Forschung geht davon aus, dass „Geschlecht“ immer soziale, kulturelle, politische und biologische Komponenten beinhaltet, die sich historisch verändern können (Becker-Schmidt / Knapp 2000). Deshalb wird bislang eher von „Gender“ gesprochen. Der Begriff „Geschlecht“ kann jedoch auch verwendet werden, wenn deutlich gemacht wird, um welche Bedeutung es sich handelt bzw. welche Dimension von „Geschlecht“ gemeint ist.
Gender war lange Zeit vor allem eine Kategorie, die innerhalb der akademischen Frauen- und Geschlechterforschung diskutiert wurde. Es gibt weltweit viele Universitäten, die in Studiengängen der „Gender Studies“ die Entwicklungen von Geschlechterverhältnissen wissenschaftlich untersuchen und lehren. Die Humboldt-Universität zu Berlin war die erste Universität in Deutschland, die 1997 einen transdisziplinären Magisterhauptfachstudiengang Geschlechterstudien / Gender Studies einrichtete. Inzwischen sind viele weitere Studiengänge der „Gender Studies“ entstanden. Im Zuge der Implementierung der Strategie Gender Mainstreaming hat sich der Begriff Gender aus akademischen Kontexten gelöst und taucht heute vielerorts in politischen und alltagsweltlichen Diskussionen auf.
Praktisch-politische Ausprägungen und Wirkungen von Gender zeigen sich in vier Dimensionen, auf welche die Europäische Kommission mit Verweis auf die OECD Bezug nimmt:
  • die Repräsentation in Politik und Gesellschaft (z.B. Beteiligung an Entscheidungen, öffentliche und private Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern)
  • die Lebenslagen (z.B. Wohlstand, Armut, Betroffenheit von Gewalt und Ausgrenzung)
  • die Ressourcen (z.B. Verteilung von Zeit, Geld, Mobilität oder Information) und
  • die Normen und Werte (z.B. Stereotype, Rollenzuweisungen, Bilder, Sprache).
Politische Maßnahmen wirken unmittelbar oder mittelbar auf Frauen und Männer in ihren vielfältigen Lebenslagen. Politik muss folglich bei der Planung und Durchsetzung von Maßnahmen und Gesetzen die Vielfalt von Lebensweisen berücksichtigen, sonst geht sie an ihren „Zielgruppen“ vorbei. Sie kann hier mit unterschiedlichen Mitteln ansetzen: Bestehende Diskriminierungen müssen z.T. durch kompensatorische Maßnahmen korrigiert werden (wie z.B. durch Frauenförderung). Des weiteren muss es Anreize für diejenigen geben, die sich aus einschränkenden Rollenmodellen lösen wollen (z.B. durch Elternzeit-Modelle). Gleichzeitig müssen Ursachen und Wirkungen der gegenwärtigen Geschlechterverhältnisse analysiert werden, um sie verändern zu können (z.B. mit einer Gender-Analyse). Der Umgang mit Gender muss also genauso vielfältig sein wie Gender selbst.

Weitere Erklärungen zu Gender finden Sie hier:
  • "Sex" und "Gender"

  • Geschlecht als "sozial konstruierte Kategorie"

  • Geschlecht als "Strukturkategorie"

  • Geschlecht als "Analysekategorie"

  • Gender - immer relevant?

  • Gender und Gleichstellungspolitik

GenderKompetenz

Weiterführende Literatur und Links:

Becker-Schmidt, Regina/ Knapp Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. Hamburg 2000.

Europäische Kommission: Leitfaden zur Bewertung geschlechtsspezifischer Auswirkungen

Glossar Recht und Geschlecht an der HU-Berlin: Gender

Baer, Susanne / Enders-Dragässer, Uta / Kuhl, Mara / Kreß, Brigitta / Sellach, Brigitte: Wissensnetz Gender Mainstreaming für die Bundesverwaltung, Frankfurt am Main und Berlin, Dezember 2003.

Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin (Hg.): Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum - Studiengänge, Erfahrungen, Herausforderungen. Trafo Verlag, Berlin 2004.




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Letzte Aktualisierung 13.05.2008
 
 
Lehrstuhl Prof. Dr. S. Baer LL.M.
 
 

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