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Daten über die Entwicklung von Gleichstellung in der Schweiz

Daten über die Entwicklung von Gleichstellung in der Schweiz

Ökonomische Unabhängigkeit

Die Erwerbsquote (Anteil der Erwerbspersonen – Erwerbstätige und Erwerbslose – an der Gesamtbevölkerung von 15 bis 64 Jahren) von Frauen stieg seit den sechziger und vor allem seit Anfang der neunziger Jahren deutlich an. 2005 liegt die Frauenerwerbsquote bei 74.3%, womit im europäischen Vergleich nur Dänemark, Norwegen und Island eine höhere Erwerbsbeteiligung als die Schweiz aufweisen (Bundesamt für Statistik 2008a: 12). Am deutlichsten gestiegen ist die Erwerbsquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren, nämlich von rund 60% im Jahr 1991 auf 71% im Jahr 2001 (Bundesamt für Statistik 2003: 38). Männer weisen 2005 eine Erwerbsquote von 87.4% auf. Vor allem bei den Vätern lässt sich mit 98% eine sehr hohe Erwerbsquote aufzeigen (Bundesamt für Statistik 2003: 38). Somit führt das Vorhandensein von Kindern im Haushalt zu vermehrter Vollzeiterwerbstätigkeit der Väter.

Im internationalen Vergleich hat die Schweiz eine niedrige Erwerbslosenquote, wobei es mit Ausnahme von 1997 immer eine höhere Arbeitslosenquote von Frauen als von Männern gab. 1991 lag die Quote bei 2.5% für Frauen und 1.2% für Männer, 2007 liegt sie bei 4.5% für Frauen und 2.9% für Männer (Bundesamt für Statistik 2008a: 21).

Seit 1981 ist der Grundsatz zur Lohngleichheit für Frauen und Männer in Artikel 4 Absatz 2 der Bundesverfassung verankert: «Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit». Dennoch sind die Löhne der Frauen niedriger als diejenigen der Männer, wobei die Lohndifferenz für die Privatwirtschaft 21% und für die Bundesverwaltung 10% beträgt. Auch bei gleicher Ausbildung, gleicher beruflicher Stellung, gleichem Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und gleich langer Betriebszugehörigkeit bleiben deutliche Unterschiede zu Ungunsten der Frauen bestehen (Bundesamt für Statistik 2003: 6).

Die Arbeitsmarktbeteiligung von ausländischen Frauen lag 1960 bei 6,2% und 2007 bei 10,1% aller Erwerbstätigen (100%) in der Schweiz. Im Gegensatz dazu war die Beschäftigungsquote von ausländischen Männern durchgehend höher (1960: 10,2% bzw. 2007: 16,1%) als jene der Frauen (Bundesamt für Statistik 2007b). Diese Zahlen lassen sich u.a. auf den AusländerInnenanteil (2005: 21,9%) zurückführen (Bundesamt für Statistik 2006: 8).

Arbeitsteilung

Im Allgemeinen haben Männer in der Schweiz eine höhere berufliche Stellung als Frauen, so sind weit mehr Frauen Angestellte ohne leitende Funktion. Männer hingegen sind deutlich häufiger selbstständig erwerbend, Angestellte in Unternehmensleitungen oder mit leitender Funktion. Die meisten Branchen sind stark nach Geschlechtern segregiert. Frauen dominieren im Gesundheits- und Sozialwesen, im Gastgewerbe, bei sonstigen Dienstleistungen, im primären Bildungswesen sowie im Handel und Reparaturgewerbe. Wenig vertreten sind Frauen im Baugewerbe, der Land- und Forstwirtschaft sowie in diversen Gewerben. Auffallend ist, dass vor allem im Unterrichtswesen und Gasgewerbe, wo mehrheitlich Frauen tätig sind, mehr als die Hälfte der Führungspositionen von Männern besetzt sind (Bundesamt für Statistik 2003a: 40).

Seit 1970 stagniert die ausgeprägte Segmentierung der Erwerbsbevölkerung in einen männlich geprägten Vollzeitsektor und einen weiblichen geprägten Teilzeitsektor. 2001 sind mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen Teilzeit beschäftigt (rund 55%), wohingegen gerade jeder zehnte Mann (rund 11%) einer Teilzeit Arbeit nachgeht (Bundesamt für Statistik 2003a: 38). 2007 liegt der Frauenanteil der Teilzeiterwerbstätigen Personen ab 15 Jahren bei 79.8% (Bundesamt für Statistik 2008b: 1).
Im biografischen Verlauf der Erwerbsbeteiligung lässt sich eine geschlechtsspezifische Trennung erkennen. Männer zwischen 25 und 60 Jahren weisen auf einem hohen Niveau von rund 90% eine konstante Erwerbsbeteiligung auf (Bundesamt für Statistik 2008a: 12). Die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Alter von 30 und 40 Jahren geht zeitweilig zurück, und steigt anschließend wieder an (Bundesamt für Statistik 2008a: 16). Dieses Muster weist darauf hin, dass sich viele Frauen aufgrund der Verantwortung für die Kinderbetreuung für einige Jahre aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen und später wieder einsteigen (Bundesamt für Statistik 2008a: 12). Außer Österreich weist kein anderes Land Europas diesen markanten Rückgang bei der Erwerbsbeteiligung der Frauen auf. Der Rückzug der Müttern hat in der Schweiz verschiedene Ursachen, nicht zuletzt das mangelnde Kinderbetreuungsangebot und die schlechteren Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Bundesamt für Statistik 2008a: 13). Ergebnisse der Volkszählung 2000 belegen, dass der Wunsch vieler Frauen nach einer Kombination von Familie und Beruf unter den heutigen Umständen mit einer sehr hohen Gesamtbelastung erkauft werden muss (Bundesamt für Statistik 2005: 11).
In fast allen Kantonen fehlt es an einem ausreichenden und vor allem auch koordinierten Tagesbetreuungssystem für Kinder. Für viele Eltern ist es schwierig, einen guten und finanziell erschwinglichen Betreuungsplatz zu finden (Keller 2001: 5).

Die Gesamtbelastung durch bezahlte und unbezahlte Arbeit ist bei den Frauen fast gleich hoch wie bei den Männern. In allen europäischen Ländern lässt sich aber feststellen, dass die Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen nach demselben Muster besteht: Frauen verbringen mehr Zeit mit unbezahlter, Männer mit bezahlte Arbeit. So wendeten zum Beispiel im Jahr 2004 Frauen 15 Stunden und Männer 30 Stunden pro Woche für die Erwerbsarbeit auf. Für unbezahlte Arbeit investierten Frauen 32 Stunden und Männer 19 Stunden pro Woche. Diese Durchschnittswerte des wöchentlichen Zeitaufwands für die Erwerbsarbeit mögen tief erscheinen, dies lässt sich dadurch erklären, dass sich die Zahlen auf die gesamte Bevölkerung ab 15 Jahren beziehen (Bundesamt für Statistik 2008: 26). Bei der Aufteilung der Hausarbeit besteht oft die traditionelle Rollenverteilung, wobei sich die Erwerbsbeteiligung der Frauen als zentrale Determinante erweist .
In 36% der Paarhaushalte mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren, arbeitet der Partner Vollzeit und die Partnerin ist nicht erwerbstätig. Dieses „Ernährermodell“ ist jedoch in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen – 1970 betrug der Anteil noch 73% (Bundesamt für Statistik 2003a: 38).

Partizipation in Bildung, Wirtschaft und Politik

Trotz Angleichungen von Bildungsabschlüssen zwischen den Geschlechtern bestehen weiterhin Ungleichheiten. Eine von vier Frauen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren hat 2002 nach der obligatorischen Schulbildung keine weiteren Bildungsabschlüsse erworben. Bei den Männern ist es nur einer einer von sieben (Bundesamt für Statistik 2003a: 24). Auffallend sind die großen Unterschiede im Bereich der höheren Berufsbildung und Hochschule. 2007 verfügen 39.5% der Männer über einen Abschluss in der tertiären Stufe, wohingegen bei Frauen der Anteil bei 23.2% liegt (Bundesamt für Statistik: 2007d). Dennoch ist der Anteil von Frauen mit einer höheren Berufsbildung und vor allem einem Abschluss einer Fachhochschule oder einer universitären Hochschule stark gestiegen.

Der Anteil der Hochschulprofessorin und -dozentinnen erhöhte sich von 14% (1995/96) auf 28% (2003/04). Dennoch sind 85.8% aller Professuren im Jahr 2007 von Männern besetzt (Bundesamt für Statistik 2007e: Tabelle 5b). Des weiteren gehört die Schweiz mit 36.9% Doktorantinnen-Anteil zu den Ländern mit den tiefsten Werten in Europa (Bundesamt für Statistik 2008: 8a).

Bedeutend größere Ungleichheiten im Ausbildungsbereich als zwischen den Geschlechtern besteht zwischen Personen schweizerischer und ausländischer Staatsbürgerschaft. Der Anteil der Personen ohne eine berufliche Ausbildung ist bei der ausländischen Bevölkerung markant höher als bei den Schweizerinnen und Schweizern. Besonders ausgeprägt sind diese Ungleichheiten bei den jüngeren Altersgruppen. Eine Ausnahme bilden die Ausländer und Ausländerinnen mit einem Universitätsabschluss, deren Anteil im Durchschnitt höher ist als derjenige der Schweizerinnen und Schweizer. Die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz weist damit im Vergleich zur Schweizer Wohnbevölkerung einen leicht höheren Akademikeranteil auf. Dies ist auf eine Einwanderungspolitik zurückzuführen, durch welche hochqualifizierte Arbeitnehmende angesprochen werden (Bundesamt für Statistik 2005: 9).

In den Unternehmungsleitungen betrug der Frauenanteil im Jahr 2000 15%. Auch bei gleichem Ausbildungsstand und bei gleichem Beschäftigungsgrad sind die Chancen von Frauen nach wie vor deutlich geringer als jene der Männer, in berufliche Top-Positionen aufzusteigen. Am größten ist diese Diskriminierung bei Frauen mit einem Universitätsabschluss (Bundesamt für Statistik 2005: 9f).

Unter den Wahlberechtigten machen Frauen mit 53% die Mehrheit aus. Auf dem Weg zu den politischen Institutionen wird die Repräsentation zunehmend kleiner, so befinden sich unter den Kandidierenden rund die Hälfte Frauen, unter den Gewählten rund ¼. Nach den Wahlen 2007 liegt der Anteil der Frauen im Schweizer Parlament beim Nationalrat bei 29.5%, beim Ständerat bei 21.7%. Auf kantonaler Ebene sind 19.9% Frauen in der Exekutive und 26.3% Frauen im Parlament (Bundesamt für Statistik: 2008b). Im Bundesrat (Regierungsgremium und Staatsoberhaupt der Schweiz) befinden sich zur Zeit (2008) drei Frauen und vier Männer.

StSch
 
by Administrator last modified 2010-01-02 21:06