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Daten über die Entwicklung von Gleichstellung in Österreich

Daten über die Entwicklung von Gleichstellung in Österreich

Ökonomische Unabhängigkeit

Österreich hat 2007 im Bereich der Beschäftigungsquote von Frauen den fünften Platz im EU-Vergleich errungen und damit das Lissabon-Ziel von 60 Prozent bis 2010 frühzeitig erreicht. Doch der Schein trügt. Österreich hat wie Deutschland eine hohe Frauenteilzeitquote und belegt damit den viert letzten Platz innerhalb der EU. Betrachtet man somit das Arbeitsvolumen von erwerbstätigen Frauen, also den zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit, dann würde das Ziel von Lissabon in weite Ferne rücken.

Mit einer Beschäftigungsquote (Anteil der erwerbstätigen Personen an der Gesamtbevölkerung) von 71,4 Prozent im Jahr 2007 nimmt Österreich im EU-Vergleich einen Spitzenplatz ein und liegt hinter Dänemark (77,1), den Niederlanden (76,0) und Schweden (74,2) auf Rang vier. Die Erwerbstätigenquote (auch Beschäftigungsquote) der Frauen liegt mit 64,4 Prozent und die der Männer mit 78,4 Prozent erwartungsgemäß an beiden Enden der Gesamtquote (Statistik Austria 2008a:7). Somit liegen die österreichischen Männer einen Platz vor den Frauen in der EU-weiten Gegenüberstellung. In der Altersgruppe der 15 bis 24 Jährigen beträgt die Beschäftigungsquote 55,5 Prozent (junge Frauen 51,5 Prozent, junge Männer 59,6 Prozent), in der Altersgruppe der 55 bis 64 Jährigen ist sie 38,6 Prozent (ältere Frauen 28 Prozent, ältere Männer 49,8) (Statistik Austria 2008a:20). Die Anzahl der erwerbstätigen Menschen mit Behinderung (selbständig oder unselbständig) betrug 2007 63.249 (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 2008:5). Eine geschlechterdifferenzierte Darstellung der Daten liegt hierzu nicht vor.

Die Beschäftigungsquote der Frauen nimmt in nahezu allen Mitgliedstaaten mit der Zahl der Kinder unter 12 Jahren ab. Die Quote der Männer bleibt hingegen auch bei steigender Kinderzahl weitestgehend stabil. Für diese Gruppe gilt die These: je höher die Anzahl der Kinder, desto niedriger die Beschäftigungsquote der Frauen. In Österreich betrug 2003 die Beschäftigungsquote von Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren mit einem Kind 77,8 Prozent (Väter 95,4 Prozent), mit zwei Kindern 66,1 Prozent (Väter 96,1 Prozent) und mit drei oder mehreren Kindern 57,4 Prozent (Väter 91,2 Prozent) (Eurostat 2005:2). Nichtsdestotrotz belegt Österreich neben Finnland, Zypern und den Niederlanden den zweiten Platz in der Erwerbstätigenquote von Frauen mit Kindern innerhalb der EU. Eine höhere Beschäftigungsquote von Müttern weisen Slowenien, Dänemark, Litauen und Portugal auf (keine neueren Erhebungen abrufbar).

Die Erwerbstätigenquote von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag Anfang des 21. Jahrhunderts bei fast 70 Prozent und fiel 2005 auf den niedrigsten Wert, der im neuen Jahrhundert verzeichnet wurde (61,9 Prozent). Ein langsamer Aufwärtstrend ist seit 2006 zu erkennen (2007: 63,8 Prozent). Darunter sind Frauen ohne österreichische Staatsangehörigkeit mit 53,3 Prozent um ca. 10 Prozent weniger am Arbeitsmarkt vertreten als Frauen mit österreichischer Staatsangehörigkeit. Ausländische Männer liegen mit 74,5 Prozent ungefähr 4 Prozent hinter den Männern mit österreichischer Staatsangehörigkeit (Statistik Austria 2008a:22).

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten stieg seit 2005, besonders bei Frauen, an und nahm 2007 Rang 6 im europäischen Vergleich (22,6 Prozent) ein. Die Quote der in Teilzeit arbeitenden Frauen lag 2007 bei 41,2 Prozent (2005: 40,7 Prozent), die der Männer um mehr als 30 Prozent niedriger (7,2 Prozent, 2005: 6,8 Prozent) (Statistik Austria 2008a: 60 und 2006:9). Vergleicht man die Zahlen mit 1995, hat sich die Teilzeitquote von Frauen (27,2 Prozent) um knapp 15 Prozent und die der Männer (4,0 Prozent) um ca. 3 Prozent erhöht (Statistik Austria 2008b).

Bei der Arbeitslosenquote in Österreich konnte ein Rückgang von 4,7 Prozent 2006 auf 4,4 Prozent 2007 verzeichnet werden. Geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselt waren 2007 5,0 Prozent Frauen und 3,9 Prozent Männer arbeitslos. Im gleichen Jahr lag die allgemeine Arbeitslosenquote bei Jugendlichen (15 – 24 Jahre) bei 8,7% (junge Frauen 8,3 Prozent, junge Männer 9,1 Prozent), bei älteren Personen (55 – 64 Jahre) bei 3,0 Prozent (Frauen 3,1 Prozent (Nährungswert), Männer 2,9 Prozent) und bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 9,5% (Frauen 10,7 Prozent, Männer 8,6 Prozent (Statistik Austria 2008a: 45). Die Daten für 2006 gaben die Anzahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung mit insgesamt 29.058 an, davon sind 10.647 Frauen und 18.411 Männer (Statistik Austria 2008: 213).

Auch Österreich ist noch weit von seinem Ziel der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern entfernt. 2003 hat Österreich beim Gender Pay Gap (geschlechtsspezifische Lohndifferenz) das erste Mal seit 1995 die 20 Prozent-Hürde unterschritten und erreichte die 17 Prozent-Marke. Ein Jahr später stieg der Wert jedoch wieder um 1 Prozent und verharrte dort auch 2005 (EU-Durchschnitt: 15 Prozent; Deutschland: 22 Prozent). Der europäische Mitgliedstaat liegt bei der Lohnungleichheit auf Platz 17 des EU-27-Vergleichs zusammen mit den Niederlanden und Dänemark (KOM (2007) 424: 21).

Aufschlussreich ist auch die Betrachtung der Beschäftigungsrate 2007 von Frauen und Männern in Abhängigkeit ihres Ausbildungsabschlusses:
  • Pflichtschule
  • Lehre
  • Berufsbildende mittlere Schule
  • Allgemein- und berufsbildende höhere Schule
  • Universität, Hochschule, hochschulverwandte Lehranstalten
Bei den Frauen, die einen Abschluss in den ersten drei Bereichen besaßen, bewegt sich die Erwerbsquote zwischen 49 und 71 Prozent, während bei den Männern dieser Gruppe die Quote zwischen 58 und 85 Prozent beträgt. Bei den beiden letzten Ausbildungsabschlüssen liegen die Werte zwischen 68 und 82 Prozent (Statistik Austria 2008a:24).

Arbeitsteilung

Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern hat sich in Österreich bezogen auf die Verteilung der Erwerbsarbeit auffällig gewandelt und zeigt deutliche Parallelen zu Deutschland. Sichtbar ist der Wandel u.a. an der gestiegenen Frauenerwerbsquote und dem Rückgang der Männererwerbsquote 2004. Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch in Österreich durch fehlende Betreuungseinrichtungen für Kinder und einseitige staatliche Zuschüsse, orientiert am brad winner model (Ernährermodell) ein Hindernis für den eigenen beruflichen Werdegang. In Österreich besteht für Mütter und Väter die Möglichkeit eines zweijährigen Karenzurlaubes oder ein Nachgehen einer Teilzeitbeschäftigung bis zur Vollendung des vierten Lebensjahrs des Kindes bzw. die Kopplung aus beidem. Mehrheitlich übernehmen Mütter die Kinderfürsorge, die im Ernährermodell angelegte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung wird somit weitestgehend gefestigt (vgl. Kreimer 2000). Die Geburtenrate 2007 mit durchschnittlich 1,38 Kinder pro Frau ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,03 Kinder pro Frau gefallen (Austria Statistiks 2008c).

Die horizontale Arbeitsmarkt-Segregation ist auch in Österreich aufzufinden. Während Frauen vorrangig im Dienstleistungsbereich beschäftigt sind (ca. 80 Prozent), sind Männer hauptsächlich im Handel oder in der Produktion tätig. 70,1 Prozent aller weiblichen Lehrlinge arbeiten in einem der 10 beliebtesten Lehrberufen von Frauen, aber nur 35,4 Prozent aller männlichen Lehrlinge verteilen sich auf die 10 beliebtesten Männer-Lehrberufe. Angeführt wird die Liste bei Frauen von Bürokauffrau, Friseurin und Einzelhandelskauffrau, bei den Männern von Kfz-Techniker, Kfz-Mechaniker und Tischler.

Partizipation in Bildung, Wirtschaft und Politik

Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten im Bildungsbereich deutlich stärker als Männer weiterentwickelt. Trotzdem lag der Anteil der Frauen, die eine Geschäftsführungsposition in den 200 größten Kaptialgesellschaften in Österreich bekleideten bei 28 von 562 Posten. 32 Prozent der Parlamentsabgeordneten waren 2007 in Österreich weiblich, der EU-Durchschnitt lag bei 24 Prozent. Österreich bekleidet somit gemeinsam mit Deutschland den siebten Platz auf der EU-Skala. Der Frauenanteil mit Lehrabschluss und Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule konnte eine Verdopplung verzeichnen, mit Maturaabschluss (plus ohne Hochschulabschluss) lag er dreimal so hoch und der Anteil bei Hochschul- bzw. anderem Tertiärabschluss hat sich um das zehnfache verändert. Ein Frauenanteil von 68 Prozent schließt die berufsbildenden mittleren Schulen ab, bei Matura- und Hochschulabschlüssen liegen Frauen mit den Männern gleich (Bundeskanzleramt 2007:12). Im Bereich der öffentlichen Universitäten sind Frauen mit 54 Prozent stärker vertreten als Männer, ebenso an Privatuniversitäten. Im Fachhochschulbereich ist es umgekehrt. Hier liegt der Frauenanteil bei 43 Prozent. Eine Parität der Geschlechter ist an den Lehrgängen universitären Charakters aufzufinden (Statistik Austria 2007:20). Hingegen haben Frauen (34 Prozent) häufiger als Männer (21 Prozent) keinen weiterführenden Schulabschluss nach der Pflichtschule. Männer schließen (mit 46 Prozent) öfter eine Lehre mit Berufsschulabschluss ab als Frauen (mit 26 Prozent: Bundeskanzleramt 2007:12). Obwohl Frauen oft besser ausgebildet sind, werden sie seltener in Vollzeit- bzw. häufiger in Teilzeitbeschäftigungen eingestellt und werden in den typischen Frauenberufen wie z.B. im Gesundheitssektor traditionell schlechter entlohnt.

C.Ku.

 
by Administrator last modified 2010-01-02 21:06