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Daten über die Entwicklung von Gleichstellung in Dänemark

Daten über die Entwicklung von Gleichstellung

Ökonomische Unabhängigkeit

Als in den 60er Jahren Arbeitskräftemangel herrschte, warb Dänemark nicht nur Gastarbeitende an, sondern aktivierte auch (kindererziehende) Frauen. Die Frauenerwerbsquote stieg nach oben: Von 43,5 Prozent im Jahr 1960 über 63,2 Prozent 1974 hin zu 78,5 Prozent im Jahr 1990 (Linke Sondereggger 2004:11). Im Zuge von Arbeitslosigkeit und Rezession ging in den 90er Jahren die Beschäftigungsquote der Frauen zurück, genau wie die der Männer. 2001 lag die Erwerbsquote der Frauen noch bei ca. 74 Prozent, die der Männer bei etwa 81 Prozent. Nach umfangreichen Reformen war die Arbeitslosenquote 2006 auf 4 Prozent gegenüber 10 Prozent im Jahr 1993 gesunken (Peter 2007: 1). Heute weist Dänemark mit 71,9 Prozent im europäischen Vergleich die höchste Beteiligungsrate von Frauen am Arbeitsmarkt auf (Eurostat 2007:135). Die Arbeitslosenquote von Frauen und Männer hat sich angenähert, mit 5,8 Prozent lag die der Frauen im Jahr 2002 jedoch immer noch 1,2 Prozentpunkte über der Männerquote. Das Lebensalter spielt hier eine entscheidende Rolle: Ab dem 20. Lebensjahr scheren die Quoten zuungunsten von Frauen auseinander und nähern sich erst in der Altersgruppe 45 bis 49 wieder an. Vor allem die große Diskrepanz bei den 24-39-Jährigen muss mit den Faktor „Kinder“ in Verbindung gesetzt werden. Zudem liegt bei Frauen über 55 die Arbeitslosenquote deutlich höher als die der Männer (Linke Sonderegger 2004: 24f.).

Die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen mit Migrationsshintergrund ist auch in Dänemark deutlich niedriger als von Frauen ohne Zuwanderungserfahrung. Nur 40 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund im erwerbsfähigen Alter gingen 2005 einer Erwerbstätigkeit nach, berichtet die Datensammlung „Facts on Gender Equality“ des dänischen Ministeriums für Gleichstellung aus dem Jahr 2006 (Facts on Gender Equality 2006: 7). Bei Männern mit Migrationshintergrund lag diese Quote mit rund 52 Prozent höher, jedoch auch deutlich unter der Beschäftigungsquote von dänischen Männern ohne Zuwanderungserfahrung. Daten über die Beschäftigungsrate von Frauen und Männern im Verhältnis zu ihrem Bildungsniveau oder einer Behinderung, über regionale Unterschiede sind nicht (auf englisch) verfügbar.

Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern ist ein Faktor, welcher der ökonomischen Unabhängigkeit von Frauen im Wege steht, und auch in Dänemark ist die Einkommensschere zuungunsten von Frauen weit geöffnet. Nach Berechnungen von Eurostat lag das Gender-Pay-Gap in Dänemark 2006 bei 18 Prozent, das entspricht dem achtletzten Platz der EU-27 Staaten und ist drei Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnittswert von 15 Prozent (KOM(2007) 424: 22). Die Statistik von dänischer Seite weist ein Pay-Gap von 12 bis 19 Prozent für die Jahre 1997 bis 2001 aus. Auch wenn Gehaltsunterschiede aufgrund des Bildungsniveaus oder der Arbeitserfahrung berücksichtigt werden, bleibt ein Gefälle von 2 bis 6 Prozent, für das es keine statistische Erklärung gibt (Facts on Gender Equality 2006: 8).

Arbeitsteilung

Im beruflichen Sektor ist in Dänemark heute ein Modell die Norm, in dem zwei Personen verdienen. Frauen – auch kindererziehende - sind hinsichtlich Erwerbsquote und Arbeitszeit den Männern nahezu gleichgestellt. Die Teilzeitquote von Frauen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Während diese 1983 noch bei 35 Prozent lag, bewegte sie sich 2001 bei 17 Prozent. Die Teilzeitquote der Männer war im gleichen Zeitraum vom 8 Prozent auf 11 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu Deutschland ist die hohe Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern in Vollzeit bemerkenswert: Die Anzahl in Vollzeit arbeitender Mütter ist von 44 Prozent im Jahr 1980 auf 76,5 Prozent 1999 gestiegen. Nur drei Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter bleiben zu Hause, um hier unbezahlte Arbeit in Familie und Haushalt zu leisten. Die Geburtenrate liegt mit durchschnittlich 1,8 Kindern pro Frau im europäischen Vergleich relativ hoch (Linke Sonderegger 2004: 23f.).

Nichtdestotrotz ist der Arbeitsmarkt in Dänemark zwischen den Geschlechtern stark nach Berufsfeldern und Karriereverläufen aufgeteilt. 60 Prozent der dänischen Bevölkerung übt einen Beruf aus, der entweder von Frauen oder von Männern dominiert ist. Frauen arbeiten typischerweise im kommunalen Dienst im sozialen Bereich oder erledigen Büro-Tätigkeiten. Männer verdienen ihren Lebensunterhalt in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst als Facharbeiter, Ingenieure oder im IT Bereich. Während die Arbeit von Frauen meistens durch Routineabläufe charakterisiert ist, befinden sich die Männer in Positionen, die mit Entwicklungsmöglichkeiten oder Führungsaufgaben verbunden sind (Facts on Gender Equality 2006: 10ff.).

Trotz hoher Müttererwerbstätigkeit spiegeln auch Studien zur Zeitverwendung eine geschlechtstypisierende Arbeitsteilung im Privaten wider: Für die Erwerbsarbeit wandten Frauen 2005 durchschnittlich 4 Stunden und 45 Minuten pro Tag auf, Männer 5 Stunden und 58 Minuten. Im Haushalt arbeiteten Frauen im Schnitt 3 Stunden und 34 Minuten, Männer 2 Stunden und 30 Minuten. Nach der Geburt eines Kindes nahmen die Dänen und Däninnen im Schnitt 41,4 Wochen der maximal 52 möglichen Wochen Elternzeit. Väter beanspruchten 2,6 Wochen Elternzeit, Mütter 38,9 Wochen (Facts on Gender Equality 2006: 11ff.). Dänemark hat zwar die Erwerbstätigkeit von Frauen, aber nicht die Umverteilung von unbezahlter Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern gefördert (Kulawik 2005: 10).

Partizipation in Bildung, Wirtschaft und Politik

Hinsichtlich der Bildung haben Frauen auch in Dänemark aufgeholt. Gegenüber 1995 hat sich der Anteil von Frauen, die studieren, um 25 Prozent erhöht. Bei den Männern gab es lediglich eine Steigerung um 5 Prozent. 2004 waren mit 88.000 Studentinnen 30.000 mehr Frauen eingeschrieben als Männer, berichtet das Gleichstellungsministerium in seiner Datenschau.
Auch wenn Frauen in den vergangenen zehn Jahren in puncto Bildungsniveau gegenüber den Männern aufholen konnten, schlägt sich das noch nicht in Berufskarrieren nieder. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft lag 2005 bei 4,4 Prozent. Im öffentlichen Dienst bewegte sich der Frauenanteil auf dieser Ebene bei 20 Prozent. Im Parlament waren Frauen in diesem Jahr mit 37 Prozent zu einem guten Drittel vertreten. Das liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 23 Prozent. Nach dem hohen Frauenanteil von 43 Prozent in der sozial-liberalen Regierung 2001, war dieser 2005 in der konservativ-liberalen Regierung auf 26 Prozent gesunken (Facts von Gender Equality 2006: 15ff.). Damit Dänemark aber immer noch über dem europäischen Durchschnitt von 23 Prozent Frauen in den Kabinetten.

MH

by Administrator last modified 2010-01-02 21:06