GenderKompetenzMail zum 8. März
Zum 8. März 2008: Internationaler Frauentag – Gleichstellungspolitik heute
Wieso eigentlich ein Frauentag in Zeiten von Gender Mainstreaming, Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz und Gender- & Diversity Studies?
Sind nicht inzwischen alle Frauen gleichberechtigt und die Forderungen der Frauenbewegungen längst erreicht? Ist überhaupt noch von einem „Wir Frauen“ auszugehen, dass alle Frauen weltweit in ihren Interessen und Forderungen verbindet? Frauen sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenslagen heute in sehr unterschiedlicher Weise von Benachteiligungen betroffen. Gleichstellung meint heute die gleichberechtigte Teilhabe und Wahlfreiheit für Frauen jeden Alters, für arme, reiche, gesunde, kranke, hetero-, homo- oder bisexuelle, religiöse oder atheistische Menschen, damit also auch für Männer, Jungen und für Menschen, die sich als Transgender identifizieren. Gleichstellungspolitik adressiert Frauen und Männer, und zwar Väter und Mütter, Lesben und Schwule, Migrantinnen und Migranten, Menschen also mit verschiedenen sozialen, ethnischen, kulturellen oder nationalen Zugehörigkeiten – kurz: Menschen in ihrer Vielfalt. Das bedeutet:
- Gleichstellungspolitik muss so facettenreich wie die individuellen Lebenslagen und Bedürfnisse von Frauen und Männern sein – es gibt heute also mehrere gleichzeitige Gleichstellungspolitiken in verschiedenen fachlichen Zusammenhängen – aber ein Ziel: Gleichstellung.
- Moderne Gleichstellungspolitik muss umfassend angelegt sein – sie ist sich der vielfältigen und komplexen Lebenslagen, aber auch der Machtverhältnisse unter Frauen und unter Männern bewusst und nimmt auch diese zum Ausgangspunkt des Handelns.
Der Internationale Frauentag ist Anlass, die Anstrengungen zu intensivieren, den Gleichheitsgrundsatz für alle Menschen durchzusetzen, und sich für den weltweiten Abbau von Diskriminierung zu engagieren. Gleichstellungspolitik in Deutschland hat zwar schon viel erreicht, aber auch noch viel vor sich, um die in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes geforderte tatsächliche Gleichstellung umzusetzen.
In Deutschland finden derzeit in verschiedenen Politikfeldern Aktivitäten für ein Mehr an Gleichstellung statt. Dazu gehört der Schutz vor Gewalt mit dem Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen; Maßnahmen zur politischen Partizipation von Frauen und die Erhöhung von Frauen in Führungspositionen Wirtschaft und Wissenschaft wie das „Professorinnenprogramm“, Initiativen zum Abbau von Stereotypen sowie der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Andere Themen müssen erst noch angegangen werden. Dazu gehört die Realisierung einer gleichstellungsorientierten Ressourcenvergabe, also ein „Gender Budgeting; die Herstellung besserer Bildungschancen für Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund; die Sicherung der Menschenrechte für Flüchtlinge; die tatsächliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der Abbau von Sexismus, Homophobie und Rassismus beispielsweise in den Massenmedien.
Aktuelle Gleichstellungspolitik knüpft an europäische Vereinbarungen zu Gleichstellung an und greift zentrale Themen der Frauenbewegung wie die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbs- und Familienleben sowie die politische Partizipation von Frauen auf. Die Themen sind:
- „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“
- Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben
Das Ziel Gleichstellung - so aktuell wie eh und je
„Gender Mainstreaming“, „Gleichstellung als Querschnittsaufgabe“ oder „Chancengleichheit“ - es gibt inzwischen viele Begriffe für Gleichstellungspolitik. Zuweilen tauchen daneben auch Bezeichnungen wie „Mainstreaming Aging“, „Cultural Mainstreaming“, „Familiy Mainstreaming“ oder „Diversity Mainstreaming“ auf. Entscheidend ist, dass Benachteiligungen aufgrund verschiedener Lebenslagen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern es um strukturelle und inhaltliche Veränderungen geht, die zu gerechten Arbeits- und Lebensverhältnisse führen.
Weitere Informationen zum Internationalen Frauentag und zu Gleichstellungspolitik heute:
- EU Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern 2008 - Herausforderung für die Mitgliedsstaaten
- Einen kurzen Rück- und Ausblick auf politische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen von Gleichstellungspolitik heute finden Sie in: Sandra Smykalla/Susanne Baer: „Ein Blick zurück nach vorn, oder: Warum Gleichberechtigung und Feminismus immer noch aktuell sind“ In: Betrifft Mädchen. Rückenwind oder Gegenwind? - Gender Mainstreaming, 21 (2008) 1, S. 4-10.
Sie finden diesen Text mitsamt allen Links auch auf der Homepage
des GenderKompetenzZentrums unter: http://www.genderkompetenz.info/
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team des GenderKompetenzZentrums
Impressum:
GenderKompetenzZentrum an der Humboldt Universität zu Berlin
Hausvogteiplatz 5-7
10117 Berlin
Tel.:49 (0)30 2093 - 4755
Fax:49 (0)30 2093 - 4756
mail@genderkompetenz.info
Falls Sie diesen Newsletter nicht mehr beziehen möchten, können Sie sich auf der Homepage www.genderkompetenz.info selber austragen.

