Equal Pay als mehrdimensionale Gleichstellungsfrage – Daten und Faktoren
Dokumentation der Fachtagung des GenderKompetenzZentrums
am 19. Juni 2008, Humboldt-Universität zu Berlin
am 19. Juni 2008, Humboldt-Universität zu Berlin
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – diese Forderung stellte schon die erste Frauenbewegung im 19. Jahrhundert. Die aktuelle Debatte um Entgeltgleichheit oder „Equal Pay” zeigt sehr deutlich, dass dieser schon klassische Skandal immer noch nicht der Geschichte angehört. Über 50 Jahre sind vergangen, seit die EWG bei ihrer Gründung die Mitgliedstaaten auf den Grundsatz des gleichen Entgelts für Männer und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit verpflichtet hat (Art. 141 des EG-Vertrags). Es gilt jedoch auch in der Gegenwart, dass die Herstellung der Entgeltgleichheit ein ganz zentrales Element für die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen und Männern darstellt.
Was sich jedoch seit dem Aufkommen der Forderung nach Lohngleichheit geändert hat, sind die Ursachen des Verdienstgefälles und nicht zuletzt das Wissen um diese Ursachen. So stellt, wie häufig herausgestellt, die direkte, womöglich gar rechtlich festgeschriebene Diskriminierung aufgrund des Geschlechts einen mittlerweile untergeordneten Faktor dar (vgl. WSI-FrauenDatenReport 2005:246).
Die genaue Kenntnis der Faktoren, die das Verdienstgefälle verursachen, ist Grundlage für effektive Maßnahmen. Welche Daten stehen zur Verfügung, um das Verdienstgefälle adäquat zu analysieren? Sind die einzelnen Faktoren bekannt und ist ihr Einfluss quantifizierbar nachgewiesen, können Akteure wie Politik, Sozialpartner oder Verwaltung ihre jeweiligen Einflussbereiche bestimmen und zielgerichtet zum Abbau des Verdienstgefälles beitragen.
Zu diesem Ziel trug die Fachtagung „Equal Pay als mehrdimensionale Gleichstellungsfrage – Daten und Faktoren” bei. Die Teilnehmenden aus Bundestag, Bundesministerien, Bundeskanzleramt, weiteren Bundesbehörden wie dem Statistischen Bundesamt, Landesverwaltungen, Wissenschaft, Sozialpartnern und Verbänden, tauschten sich konstruktiv und kenntnisreich über Wissenstand und Forschungsbedarf aus.
So ging es im Einzelnen um die Datenlage und um die Identifizierung und Quantifizierung von Faktoren, die zum Verdienstgefälle zwischen Männern und Frauen beitragen. Dazu zählen sowohl betriebliche Faktoren wie beispielsweise die Betriebsgröße, Branche und Tarifsysteme als auch Faktoren der Beschäftigten wie Alter, Berufswahlverhalten, Berufsunterbrechungen und Arbeitszeit. Die Zahlen zeigten eine geschlechtliche Segregation des Arbeitsmarkts: Zum einen horizontal, besonders durch geschlechterstereotyp konnotierte Branchen, aber auch zwischen vergleichbaren Berufen, zum anderen vertikal, besonders durch die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen.
Wie der Pay Gap aufgrund der Interdependenzen zwischen Geschlecht und weiteren Kategorisierungen beforscht werden kann, war ein weiteres Schwerpunktthema. Welche Daten liegen zu dieser Frage bereits vor, welche wären erforderlich? Um sich den Möglichkeiten und Grenzen interdependenter oder intersektionaler Forschung zum Pay Gap zu nähern, wurde auf der Fachtagung ein beispielhafter Zugang gewählt über eine Kategorisierung, deren Relevanz für den Pay Gap unumstritten ist und zu der schon einige Studien vorliegen: dem Migrationshintergrund. So verdienen Männern und Frauen mit Migrationshintergrund weniger als diejenigen ohne Migrationshintergrund – allerdings ist der Effekt sehr unterschiedlich je nach Geschlecht, Bildungsstand und Ausbildungsort. Diese Wechselwirkungen, die unter dem Begriff der Interdependenzen diskutiert werden, stellen für die empirische Forschung zum Pay Gap noch eine weitgehend offene Herausforderung dar. Zudem wurde über Beforschbarkeit und Aussagekraft von „Migrationsmerkmalen” wie beispielsweise Staatsangehörigkeit, „ethnischer” Herkunft oder Muttersprache diskutiert. Damit ist die allgemeinere Frage angesprochen, mit Hilfe welcher Operationalisierungen rassistische Diskriminierung in empirischer Forschung analysiert werden kann.
Es zeigte sich, dass weitergehende Erkenntnisse notwendig sind, um den Pay Gap in seiner Mehrdimensionalität genauer zu verstehen – dazu trug die Fachtagung bei.
- Hier finden Sie eine detaillierte Zusammenfassung der einzelnen Vorträge, die Sie jeweils auch als PDF-Datei herunterladen können.
- Hier finden Sie das Programm der Fachtagung.
- Hier finden Sie Links zu Dokumenten und Studien zum Thema Equal Pay.
- Hier können Sie die gesamte Zusammenfassung der Fachtagung als druckfreundliche PDF-Datei herunterladen.
Diese Dokumentation der Fachtagung mitsamt allen Präsentationen kann auch als gebundene Version beim GenderKompetenzZentrum bestellt werden. Allen Teilnehmenden der Fachtagung wird sie auch ohne erneute Bestellung zugestellt.

