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Wege zur Chancengleichheit – Strategien gegen Mehrfachdiskriminierung im Fokus von Gender

Am 07.10.09 fand die Veranstaltung 'Wege zur Chancengleichheit – Strategien gegen Mehrfachdiskriminierung im Fokus von Gender' der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung Berlin in Kooperation mit der Sentatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen im Rathaus Charlottenburg statt. Es wurde die Bedeutung von Geschlecht im Zusammenhang mit weiteren Diskriminierungsmerkmalen diskutiert und Handlungsstränge zur nachhaltigen Verhinderung bzw. Bekämpfung von Mehrfachdiskriminierungen angedacht.

In Abhängigkeit vom Kontext der Diskussionen stehen oftmals nur einzelne Diskriminierungsmerkmale im Vordergrund. So wird z.B. in Debatten um das Geschlecht vielfach Alter, Migrationshintergund, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Identität etc. nicht in die Diskussion mit einbezogen, weshalb selten zielorientierte und wirksame Ergebnisse erzielt werden. Die Tagung wollte genau diesen Punkt behandeln und stellte folgende Fragen:

  • Was verstehen wir unter Mehrfachdiskrimierungen im Fokus von Gender?
  • Welche Strategien sind sinnvoll, um dieser Diskriminierungsform zu begegnen bzw. sie präventiv zu verhindern?
  • Welche Erfahrungen haben Projekte und Politik bislang in diesem Feld gemacht?
  • Was muss sich ändern, um dem Phänomen durch das Geschlecht verstärkter Mehrfachdiskrimierung in Zukunft in Berlin besser begegnen zu können?

Nach der Begrüßung warf Victoria Chege von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg unter dem Titel 'Europäische (Chancengleichheits-) strategien zur Bekämpfung von Mehrfachdiskriminierung' einen Blick auf rechtliche Rahmenbedingungen in der EU. Sie resümierte, dass auf EU-Ebene zwar schon viele Vorgaben für die Bekämpfung von Mehrfachdiskriminierungen gesetzt sind, jedoch die eindimensionalen Ansätze dringend mit den mehrdimensionalen verbunden werden müssen. Sie zählte auf, dass Entschädigungen bei Mehrfachdiskriminierungen genauso wie die intersektionale Betrachtungsweise, hier insbesondere durch Statistiken im rechtlichen Bereich, die die Intersektionalität aufzeigen, fehlen würden.

Nachdem eine künstlerische Einlage der Theatergruppe 'Die Bunten Zellen' stattfand, kam Prof. Dr. Claudia Neusüß in ihrem Vortrag 'Mehrfachdiskriminierung: Herausforderungen bei der Umsetzung von Chancengleichheitsstrategien im deutschen Kontext' zum Schluss, dass mehr Bezug auf Intersektionalität genommen und Transparenz hergestellt werden muss. Es fehlt ein Verbandsklagerecht, ein pro-aktiver Kampf gegen Diskriminierung, ein weitgefächerter Kompetenzaufbau im Bildungsbereich, Industrie etc. (lernende Organisationen), eine intensivere Kooperation zwischen Netzwerken sowie Forschungsräume für anwendungsbezogene Unterstützung.

Eine fünfköpfige Talkrunde ging abschließend auf die zukünftigen Herausforderungen für Praxis und Politik im Bereich der Chancengleichheit in Berlin ein. Deutlich wurde hier, dass es zur Bekämpfung von Mehrfachdiskriminierungen ein 'Gender und Diversity' braucht und nicht ein entweder/oder bzw. Gender unter Diversity und umgekehrt. Auch müssen Kategorien von 'Ungleichheiten' in Forschungen einen größeren Stellenwert erlangen.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die eigene gesellschaftliche Stellung und Identität den Diskurs schnell auf eine duale Diskriminierungsdebatte (Geschlecht plus eine weitere Kategorie der Ungleichheit) reduziert, auch wenn versucht wird, sich direkt mit dem Thema der Mehrfachdiskriminierung zu beschäftigen. Neben den hier unterschiedlich auftretenden Prioritäten war jedoch auffällig, dass Behinderung weniger thematisiert wurde als Migrationshintergrund oder sexuelle Orientierung. Auch wurde deutlich, dass die Diskussion für jede/n Einzelne/n weitere Fragen aufwarf als die, die die Tagung vorab gestellt hatte. Das zeigt, dass das Forschungsfeld 'Mehrfachdiskriminierung' eine breitere Öffentlichkeit und gesellschaftliche Sensibilisierung braucht.

CKu

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Letzte Aktualisierung 21.10.2009
 
 
Lehrstuhl Prof. Dr. S. Baer LL.M.
 
 

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